Sozialkreis St. Willibald
Frau B. wird nach einer komplizierten Oberarmfraktur, medizinisch wohlversorgt, aber hilflos, mit einer Halteschiene aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen. Der Kühlschrank ist leer und es ist kein gekochtes Essen da. Von einer Nachbarin weiss sie, dass es in St. Willibald einen Sozialkreis gibt. Die hilfreiche Nachbarin stellt auch diesen Kontakt her, da es Frau B. schwer fällt, um Hilfe zu bitten. Noch am gleichen Tag erhält Frau B. Besuch von einer Mitarbeiterin des Sozialkreises. Einkaufshilfen und Begleitungen bei Arztbesuchen laufen an. So manches Plauderstündchen lässt die anfangs verzweifelte Frau B. wieder aufleben.
Dieses kleine Beispiel lässt ein wenig hineinschauen in das "Miteinander-Füreinander" des Sozialkreises St. Willibald. Unter diesem Motto nehmen engagierte Ehrenamtliche seit vielen Jahren Anteil an den verschiedensten Problemen, z.B die krankenhausentlassene Frau B., aber auch Hilfen bei schriftlichen Arbeiten, Behördengänge, kurzfristige Hausaufgabenhilfen, Gespräche mit oft einsamen Alleinlebenden, und oftmals nur Hinhören, sog. aktives Zuhören sind unsere möglichen Angebote. So manche längere gute, freundschaftliche Beziehungen sind aus diesen Hilfen erwachsen. Nicht nur der Hilfesuchende in irgendeiner Notlage wird beschenkt durch das Zugehen auf ihn. Gute menschliche Begegnungen bereichern den Helfenden ebenso. Die so entstandenen Kontakte gehen häufig über den zeitlichen Rahmen der konkreten Hilfestellung hinaus, werden menschliches "Aufeinander-Zugehen" in unserer zunehmenden Single-Gesellschaft.
Die Fluktuation in unserer Gesellschaft ist das Thema, das der Sozialausschuss des Weiteren im Blick hat. Neuzugezogene im Pfarrgebiet werden mit einem Begrüßungsbrief willkommen geheißen. Wer freut sich nicht, wenn Notiz genommen wird, dass man da ist.
Konkret laden wir von Zeit zu Zeit Neuzugezogene zu einer Begegnung ein, die Pfarrei kennenzulernen, stellen die Gruppierungen vor, zu denen sie sich vielleicht hingezogen fühlen, mit dabei sein wollen, evtl. engagieren wollen. Der Kirche Fernstehende nehmen uns so wahr, als Menschen, nicht als "Institution". Ein Angebot hereinzuschauen, oder eben leider auch wegzuschauen. "Jesus ja, Kirche nein" ist der Slogan, den der Sozialausschuss hautnah erlebt.
Obdachlosentreffen und Asylbewerber
In einer Gesellschaft, in der Hilfen aller Art instrumentalisiert sind, stehen sich Anspruchsdenken aber auch sehr starke innere und äußere Einsamkeit gegenüber. Damit in unserem sozialen Umfeld umzugehen ist bleibende Thematik in unserem Sozialausschuss.
Wie rasch Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg und Krankheit in soziale Not, Armut, ja Obdachlosigkeit führen können, erleben wir bei den gastronomisch ausgerichteten Obdachlosentreffen. Kuchen und Kaffee, Essen und Trinken sind dabei wichtig. Wichtiger aber sind meines Erachtens die Wertschätzung, die Menschen erfahren, wenn sie am Rande leben. Das "Aufeinander-Zugehen" ist kein Almosen, es ist eine Selbstverständlichkeit.
Im geographischen Rand unseres Pfarrgebietes leben Asylbewerber in einem Wohnheim. Kinder aus allen möglichen Ländern sind mit Kindern unseres Pfarrgebietes gemeinsam in der Schule. Wir können bei dem Themenfeld Migration wegschauen, gleichgültig sein, wütend sein, Vorurteile pflegen oder hinschauen. Im Aufeinanderzugehen können wir Fragen stellen, Gründe kennenlernen, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Im Hören, Sehen des anderen, den Nächsten wahrnehmen. Wer ist mein Nächster?
Konkret sind unsere Begegnungen mit den Menschen im Asylbewerberheim zunächst auch Wertschätzung. Hilfen ergeben sich von selbst. Es gibt seit langem Hausaufgabenhilfen, Teestuben, Sprachkurse für die Frauen (vom Analphabeten bis zum recht gut sprachkundigen Bewohner). Über allen aber ist wichtig: das Gespräch. Ich schenke dir meine Zeit. Du bist mir wichtig.
Sehr häufig erleben sich Asylbewerber nach Jahren der sog. Duldung, des Hoffens auf Arbeit, auf eine Wohnung als Gestrandete. Wären wir doch zuhause geblieben, sagen sie sich. Ein Zurück gibt es aber nicht mehr. Da ist in beispielhafter Tragik der junge Fischer Mori aus Nordafrika, der geflohen ist, weil er seiner einzigen Existenz beraubt wurde, da reiche Fangflotten durch aggressive Fangstrategien alle Fischbestände vernichtet haben.
Menschen fliehen nach Europa unter Einsatz ihres Lebens, weil sie denken, hier glücklich zu werden, Arbeit zu finden. Sie werden oft tief enttäuscht. Es gibt Arbeit nicht mehr in ausreichendem Maß auch bei uns.
Fairer Handel - Eine Welt
Wenn die Produkte, die Menschen in ihren Heimatländern herstellen "Fair gehandelt" werden, dann haben sie Arbeit, Auskommen und Wertschätzung auch im eigenen Land. Ein fruchtbares Geben und Nehmen entsteht - Eine Welt. Seit Oktober 2006 gibt es in St.Willibald regelmäßig am ersten Sonntag im Monat einen Verkauf von fair gehandelten Produkten aus der einen Welt.
Wir sehen uns als offenen Kreis im Rahmen des
Sozialausschusses und freuen uns über jeden, der sich mit uns für eine gerechtere Welt einsetzen möchte.
Sozialarbeit in der Kirche ist, meine ich, nicht reines soziales Kümmern, ist kein Verein mit sozialen Intentionen, sondern muss "gründeln", muss Grund haben im gelebten Evangelium. "Sozialarbeit ja - Evangelium ja", denke ich nachsinnend in Erinnerung an den Besuch unseres Papstes Benedikt in München Riem.
Über Anregungen und Anfragen, möglicherweise Bereitschaft zum Mitengagement freue ich mich sehr
Ansprechpartner:
Sozialkreis, Asylbewerber, Obdachlosentreffen: Sr. Irene Heiss, Tel. 3201360.
Eine Welt Kreis: Frau Sabine Kohlmann, Tel. 5804141.