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Pfarrpatron

Als die Pfarrei St. Willibald eingerichtet werden sollte, wurde vorgeschlagen, die etliche Zeit vorher heiliggesprochenen 40 Märtyrer aus Japan zu ehren. Als dann der Erzbischof Josef Kardinal Wendel die Seelsorge der schon seit 1916 in München tätigen Gesellschaft des Göttlichen Heilandes, den Patres Salvatorianer und den Schwestern Salvatorianerinnen übertrug, schlugen diese vor, den Namen Salvatorkirche zu wählen. Aus dem Ordinariat kam nun der Hinweis, dass es doch im wahrsten Sinne naheliegend sei, die neue Pfarrei nach der in nächster Nähe liegenden Willibaldstraße zu benennen, zumal es im Raum München noch keine dem hl.Willibald gewidmete Kirche gäbe, der immerhin der Patron der nördlichen Nachbardiözese sei.

Die Straße wurde 1900 auf Vorschlag des Magistrats der Stadt Pasing von «Lehmgrubenweg» in Willibaldstraße umbenannt (womöglich in Erinnerung an den 1200. Geburtstag). Als Namenspatron wurde «Willibald, Bischof von Eichstätt, Erbauer der Willibaldsburg» genannt. Der Willibaldplatz erhielt seinen Namen 1930.

Das Leben des heiligen Willibald

Wer war dieser Heilige? Wir wissen über sein Leben relativ gut Bescheid, da er neun Jahre vor seinem Tode einer Nonne im Kloster Heidenheim, in dem auch sein Bruder und seine Schwester gelebt hatten, sein Leben erzählte. Willibald wurde am 22.10.700 in Wessex/England als ältester Sohn geboren. Mit drei Jahren erkrankte er schwer, und seine Eltern gelobten, ihn Gott zu weihen, falls er wieder gesund würde. Dies geschah in der Tat, und so wurde er mit fünf Jahren in das Kloster Bishops Waltham bei Winchester geschickt. Im Frühjahr 720 traten er und auf sein Drängen hin auch sein Bruder Wunibald und sein Vater (später Richard benannt) eine Romreise an. Der Vater starb auf dieser Reise, und die beiden Brüder erkrankten in Rom so schwer, dass nur Willibald zweieinhalb Jahre später die Reise nach Jerusalem fortsetzen konnte.

Über Griechenland und Kleinasien erreichte er schließlich im November 724 das Ziel seiner Sehnsucht. 727 bis 729 lebte er zurückgezogen in Konstantinopel und reiste dann nach Monte Cassino. Er half, das zerstörte Benediktinerkloster wieder aufzubauen und war dort zehn Jahre lang Pförtner. 739 begleitete er einen spanischen Mönch nach Rom. Dabei lernte ihn Papst Gregor III. kennen und sandte ihn nach Germanien, wo er dem hl. Bonifatius bei der Bayernmission helfen sollte.

Dieser wies ihm das Gebiet um Eichstätt zu, weihte ihn ein Jahr später 741 (wahrscheinlich) zum Bischof von Erfurt. Wann genau Eichstätt zum Bistum erhoben wurde, ist in der Forschung noch umstritten, nicht aber, dass es der Lebensmittelpunkt des hl. Willibald war. Von hier aus wirkte er als Missionar und Organisator bis zu seinem Tode am 7.7.787.

Die Situation in Bayern

In welche Situation wirkte Willibald hinein? Die Völkerwanderung war noch nicht lange zu einem relativen Abschluss gekommen. Im Westen hatte sich das Frankenreich etabliert, und nach der Taufe von König Chlodwig (kurz vor 500) hatten der damaligen Sitte gemäß auch die Gefolgsleute den christlichen Glauben angenommen. Karl Martell hatte einen starken Rückhalt an Rom, so dass in den von ihm eroberten Gebieten, nacheinander Friesland, Thüringen und Bayern, diese Form des Christentums sich durchsetzen konnte.

Die Missionierungsarbeit leisteten aber nicht die Franken, sondern zuerst iroschottische, dann auch englische Mönche. Wie kam es nun dazu? Im Gefolge der Völkerwanderung waren die Angeln und Sachsen nach England übergesetzt, und vor ihnen hatten sich die dort lebenden Christen nach Westen zurückgezogen (Artus-Sage). In Irland und West-England (z.B. Wessex) kam es um 600 zu einer Bewegung, dass die Mönche ihr Kloster verließen und nach dem Vorbild Jesu auf Wanderschaft gingen. Damit einher ging eine eifrige Missionstätigkeit, die nach der Bekehrung der Angelsachsen auf das Festland übergriff: Kolumban, Kilian, Emmeran, Korbinian sind einige der mit dieser Zeit verbundenen Namen.

Sie kamen meist nicht in vollkommen heidnisches Gebiet, denn noch von der Römerzeit her gab es ein breitgestreutes christliches Leben. Doch fehlte diesem nahezu jegliche Organisation. Diese richtete nun in bedeutendstem Maße und bis heute spürbar Bonifatius aus. Sozusagen den Truppen Karl Martells folgend, missionierte er von Norden nach Süden in den eroberten Gebieten. Wenn er auch aus Irland kam, lehnte er sich doch in der Organisationsform an die im Frankenreich übliche «staatliche» an. Allerdings schuf er nicht eine Nationalkirche, sondern band sie, gemäß der Tradition der iroschottischen Mission, in die sich ausbildende römische Kirchenstruktur ein. Es wurde eine romverbundene Landeskirche, die juristisch und organisatorisch weitgehend selbständig, in der Form der Glaubensausübung aber römisch ausgerichtet war.

Diese Struktur sollte der Kirche einen festen Rahmen geben, mit geregelten Zuständigkeiten (z.B. gegen die damals sogenannten Wanderbischöfe, die die entsprechenden Aufgaben gegen Berufung übernahmen), aber auch mit einer Spitze gegen den fränkischen Adel, der Bischofssitze als Pfründe betrachtete.

In diesem Rahmen muss man die Einrichtung der Diözesen sehen, die kurz nach dem Tode Karl Martells erfolgte.

In dieses Bild passt sehr gut, dass Willibald zuerst einmal den bayerischen Herzog Odilo besuchte, den der Papst wohl für den Herrn des vorgesehenen Missionsgebietes ansah. Der Herzog wies ihn weiter an den Adligen Suidger, denn jene Gegend lag schon außerhalb der bayerischen Herrschaft, am Rande des Frankenreiches. Suidger bot der Kirche das Gebiet von Eichstätt mit einer Marienkirche an. Da Willibald diese Gegend geeignet erschien, verlieh ihm Bonifatius dort die Priesterwürde. Der Ort selbst war wohl in der Völkerwanderungszeit zerstört worden, blühte nun aber rasch wieder auf, so dass er bald zur Bischofsstadt werden konnte.

Willibald war anscheinend ein wanderlustiger Mann, das sieht man schon aus seinem Lebenslauf. Hier kam ihm das nun zugute. Denn wenn er sein Missionsgebiet gut verwalten wollte, musste er seine Priester besuchen, für ihre Fortbildung sorgen, neue Pfarreien gründen.

Er war aber auch ein gebildeter Mann, denn der Besuch des Klosters in seiner Kindheit könnte auch mit dem Besuch einer Schule verglichen werden, wie er der Tradition des irisch-angelsächsischen Adels entsprach. So nimmt es nicht wunder, dass sehr bald ein Priesterseminar in Eichstätt gegründet wurde. Es gab aber noch eine Eigenheit in ganz Süddeutschland, zu der Willibald ebenfalls einiges beitrug. Hier wurden viele Klöster gegründet, die im Mittelalter eine bedeutende Unabhängigkeit gegenüber der Bischofshierarchie besaßen, die eben auch in der Bildungstradition der Angelsachsen stand und der wir so einen Großteil unserer breitgestreuten Kultur verdanken. Dass es vor allem Benediktiner-Klöster waren, hängt ebenfalls mit Bonifatius und Willibald zusammen, da die Angelsachsen die Verbreitung dieser Ordensregeln gegen die diversen anderen betrieben.

Die Verehrung Willibalds

Die Verehrung Willibalds ist natürlich besonders intensiv in seiner Diözese. Es gibt dort dreizehn Kirchen, die ihm geweiht sind. Außerhalb gibt es solche Kirchen z.B. in Scheer (Württemberg), Jesenwang und unsere Kirche in München. Als Schutzpatron wacht er besonders über die Pferde (bekannt ist die Pferdeprozession in Jesenwang) und die Gittermacher (Willibald war im Heiligen Land zweimal in Gefangenschaft geraten und musste «gesiebte Luft» atmen). Heute wäre für uns vielleicht ein Ansatz darin gegeben, dass wir uns einen Mann zum Vorbild nehmen, der gebildet und weltoffen seine Kraft für die Verbreitung und Vertiefung des Glaubens einsetzt.