Mit der Pfarrei St. Willibald ist ein Kloster der Salvatorianer verbunden. Es ist Sitz des Provinzialats der Süddeutschen Ordensprovinz, das für acht Ordensniederlassungen zuständig ist. Ferner wurde der Sitz des Verlags der Zeitschrift, «Wegbereiter» hierher gelegt, der sich besonders der Förderung der geistlichen Berufe weit über den Orden hinaus annimmt. Innerhalb der Salvatorianer-Missionen trug die Süddeutsche Ordensprovinz die Verantwortung für die Mission Ilan in Taiwan, heute unterstützt sie Aufbauarbeiten in Tansania, Kongo und Philippinen.
Die Salvatorianer und St. Willibald
Mitglieder der Ordensgemeinschaft der Salvatorianer betreuen die Pfarrei St.Willibald in München-Pasing seit ihrer Errichtung im Jahre 1958. Im Vertrag zwischen dem Erzbischof von München und der Ordensgemeinschaft der Salvatorianer zur Übertragung der Pfarrei St. Willibald an diese Ordensgemeinschaft heißt es im Artikel 1: "Der Erzbischof von München vertraut nach Anhörung des Metropolitankapitels die Seelsorge und Verwaltung der Pfarrei St. Willibald dem Kloster München, Agnes-Bernauer-Strasse 181 der Kongregation der Salvatorianer widerruflich an.
Das Kloster in München
Die Salvatorianer sind seit 1916 in München. Das kleine Kloster der Salvatorianer in der Romanstrasse war also schon lange vor der Errichtung der Pfarrei St. Willibald zuerst für einen Salvatorverlag eingerichtet, ab
1940 nistete sich das Provinzialat, d. h. Sitz der Provinzleitung der süddeutschen Provinz der Salvatorianer ein. Dieser Aufgabe dient heute auch das Kloster bei St. Willibald.
Sehen wir zunächst einmal von den Patres ab, die als Pfarrer oder Kaplan für die Pfarrei und als Seelsorger für das Alfons-Hoffman-Altenheim freigestellt sind, so sind in diesem Kloster heute noch der Provinzial, der Provinzökonom, seit im Frühjahr 2006 die Missionsprokura hier nach München verlegt wurde, ein Mitarbeiter für die Salvatormission, sowie drei Priesterstudenten, die an der Universität ein Zusatz-Studium machen und zeitweise der Redakteur des "Wegbereiters".
Der Provinzial und der Provinzökonom sind zusammen mit dem regelmäßig tagenden Provinzrat für die geistliche, personelle und wirtschaftliche Leitung der Provinz verantwortlich. Zur süddeutschen Provinz gehören z. Z. noch 53 Mitglieder in vier grösseren klösterlichen Gemeinschaften, in fünf Pfarreien und auf ein paar Einzelposten.
Dass diese Patres dann immer auch noch in der Seelsorge am Ort mitarbeiten, sei es in der Pfarrei St. Willibald, in den verschiedenen Nachbarpfarreien, oder auch in ländlichen Pfarreien in der Umgebung von München, die keinen eigenen Pfarrer mehr haben, ist eigentlich selbstverständlich, weil Salvatorianer ja von Ihrer Grundidee apostolisch sind.
Zum Kloster gehörten dann aber auch noch die Schwestern Salvatorianerinnen. Bis vor einigen Jahren waren immer auch noch Schwestern direkt in der Pfarrei eingesetzt, im Kindergarten und im Pfarrbüro. Leider war die Übernahme dieser Aufgaben durch die Schwestern aus Personalmangel nicht mehr möglich. Die letzte drei Schwestern haben das Kloster München am 23. September 2007 verlassen.
Die Pfarrei St. Willibald
Wie der schon genannte Vertrag weiter bestimmt, wird die Pfarrei aber nicht dem Kloster einverleibt, sondern "behält den Charakter einer weltgeistlichen Pfarrei bei".
Was heißt das praktisch?
Kirche, Pfarrhaus und alle für die Pfarrei notwendigen Gebäude und Einrichtungen sind nicht Eigentum der Ordensprovinz, sondern sind Eigentum der Pfarrkirchenstiftung. Nur das Provinzialatshaus, die Garagen und der hinten liegende Garten sind Eigentum der Ordensprovinz. Für die Wohnung im Pfarrhaus bezahlt die Provinz Miete (wie sie jeder Pfarrer für seine Wohnung bezahlen muss).
Die Seelsorge und Verwaltung der Pfarrei wird vom Bischof den vom Provinzial vorgeschlagenen Mitgliedern der Ordensgemeinschaft als Pfarrer oder Kaplan übertragen. Die so für die Seelsorge und Verwaltung bestellten Ordensmitglieder unterstehen in dieser ihrer Arbeit nur den Anweisungen des Bischofs.
Und in diesen Mitgliedern der Ordensgemeinschaft berühren sich auch Pfarrei und Kloster. Irgendwie soll es dann auch für die Pfarrei erfahrbar sein, dass ein Ordenspriester, also ein Pater Pfarrer ihrer Pfarrei ist. Das Kirchenrecht hat dazu eine ganz allgemeine Aussage vom Konzil übernommen, wenn es erklärt: In diesen Instituten "...muss das ganze Leben ihrer Mitglieder vom apostolischen Geist durchdrungen, alle apostolische Tätigkeit aber vom Ordensgeist geprägt sein" (Can 675 § 1).
Das bedeutet auf der einen Seite, dass auch die Mitglieder des Klosters, die nicht im direkten Dienst der Pfarrei und der Seelsorge am Ort stehen, soweit es ihre eigentlichen Aufgaben zulassen, bereit sind, grössere oder kleinere Aufgaben in der Pfarrei zu übernehmen.
Das bedeutet aber auf der anderen Seite auch, dass die Mitglieder, die direkt im Dienst der Pfarrei stehen, "geprägt sein sollen vom Ordensgeist". Das fängt äußerlich damit an, dass ein Ordenspriester auch als Pfarrer keinen persönlichen Gehalt bekommt, sondern dass sein "Gehalt" eben auch direkt an die Gemeinschaft geht. Das geht weiter damit, dass dieser Pfarrer eben immer auch eine Gemeinschaft hinter sich hat, in der er sich daheim fühlen kann, wo er seine Probleme mit anderen besprechen und sich aussprechen kann, dass eine Gemeinschaft an seinen Sorgen und Aufgaben Anteil nimmt und sie auch in ihrem Beten begleitet. Und das kann sich auch darin zeigen, dass dieser Pfarrer auch vom Geist, von der Spiritualität, seiner Gemeinschaft geprägt und irgendwie auch getragen ist.
Kloster und Pfarrei
Wenn es bei diesem Miteinander auch nicht ausbleiben kann, dass Erwartungen, die die Pfarrei an das Kloster hat und vielleicht auch solche, die das Kloster an die Pfarrei hat, nicht immer voll erfüllt werden, so können wir es doch ein gutes Miteinander nennen. Die Salvatorianerinnen und Salvatorianer, die in diesem Kloster leben, sind dankbar dafür, dass die Pfarrei nicht nur ihr Interesse an den anderen und weltweiten Aufgaben der beiden Ordensgemeinschaften zeigt, sondern mit verschiedenen Aktionen sich an diesen Aufgaben beteiligt:
- durch die Unterstützung unserer Missionen auf den Philippinen, in Afrika (Tanzania und Zaire) und anderer Projekte wie Temesvar in Rumänien.
- in den Dokumenten des Konzils und im Kirchenrecht steht ein Satz, der uns als Ordensleute eine Herausforderung bleibt: "Das Apostolat der Ordensleute besteht in erster Linie im Zeugnis ihres geweihten Lebens, das sie durch Gebet und Buße pflegen müssen" (Can 673).
Wir wissen, dass wir immer hinter dieser großen Anforderung zurückbleiben. Und doch hoffen wir, dass wir mit unserem Leben doch ein ganz kleines Zeugnis und damit vielleicht auch ein wenig Hoffnung und Mut geben können.
P. Richard Zehrer